Der Steinkauz (Athene noctua) ist eine kleine Eule, die in weiten Bereichen Mitteleuropas verbreitet war. In den 70er bis 90er Jahren ist dieser typische Vertreter von Streuobstwiesen mit alten Hochstammbäumen in der Region des Markgräflerlands zwischen B31 im Norden, den Vorbergen des Schwarzwalds im Osten, der Kreisgrenze Freiburg-Breisgau im Süden und dem Rhein im Westen praktisch vollständig verschwunden, da der Bestand an alten Obstbäumen mit Naturhöhlen als Nistmöglichkeit für diesen Höhlenbrüter massiv zurückgegangen ist. Als standort-treuer Ganzjahresvogel kann der Steinkauz in schneereichen Gegenden wie dem Schwarzwald nicht existieren, da er dort im Winter keine Nahrung (Regenwürmer, Mäuse, Großinsekten) findet.
Angeleitet durch die Steinkauzbetreuer um Franz Preiss aus Ötlingen/Lörrach wurde in den 2010er Jahren begonnen, das nur sehr spärlich vorhandene Angebot an künstlichen Nisthilfen in diesem Bereich zu erfassen und systematisch auszubauen. Ziel war und ist die Anbringung von Nisthilfen in einem Abstand von ca. 1 km in geeigneten Biotopen im gesamten oben genannten Gebiet. Stand heute sind mehr als 160 Röhren angebracht, die von ca. 30 Betreuern gewartet werden.
In den ersten Jahren waren keine Steinkauzbruten zu finden, aber seit 2017 traten erste Erfolge ein. In jenem Jahr gab es 1 Brut in einer Röhre, die seitdem jedes Jahr belegt ist. In den Folgejahren stieg die Zahl der Bruten (Abb. 1), und 2022 sind wir bei 14 belegten Brutröhren angekommen.
Es ist erfreulich zu sehen, dass die Zahl der besetzten Reviere bislang jedes Jahr anwuchs, und im Jahr 2022 gab es einen Besiedlungsschwerpunkt auf dem Gebiet der Gemarkung Neuenburg mit 3 neu besetzten Revieren. Die beliebtesten Reviere scheinen auf Großviehweiden mit einzelnen Bäumen oder in deren unmittelbarer Umgebung besetzt zu werden.
Die letzten Jahre brachten aber auch nur mäßige Bruterfolge; 2021 war die Zahl von 6 abgebrochenen Bruten ungewöhnlich hoch, und in 2 Röhren wurden Nestlinge mit abgebissenen Köpfen gefunden. In einem Fall konnten dann aber noch 2 Nestlinge beringt werden. Auch 2 der 4 Zweitbruten wurden wiederum abgebrochen.
2022 waren weniger Brutabbrüche (4), jedoch war die Gelege-Größe ungewöhnlich klein, was möglicherweise mit der Witterung im März/April zu tun hatte (noch etliche Frostnächte). 2023 war bislang das Jahr mit den meisten beringten Nestlingen; das Niveau konnte in den Folgejahren nicht ganz gehalten werden, aber es zeichnet sich eine stabile Steinkauz-Population im Markgräfler Land ab.
Durch Ringablesungen vor allem der Brutweibchen konnten wir z.T. recht weite Zuwanderungen dokumentieren; es gab mehrere Elsass-Einwanderungen, davon eine aus dem 160 km entfernten Haguenau. Den Streckenrekord machten aber 2 Weibchen aus dem Großraum Ludwigsburg mit ca. 220 km.
Wir bedanken uns an dieser Stelle vor allem bei dem Betreuer-Team, aber auch bei den Gemeinden und Landwirten, die uns in aller Regel wohlwollend begegnen und z.B. durch frühzeitige Wiesenmaht tatkräftig unterstützen.
NABU Nördliches Markgräflerland
Text: Dr. Helmut Mett